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Kalisyndikat und Solfreibad

Leopoldshall und Staßfurt, das ist Anhalt gegen Preußen – und eine Geschichte zahlreicher Anekdoten. Nun blickt die Salzstadt auf 80 Jahre der Eingemeindung Leopoldshalls zurück.

Artikel vom 19. Mai 2026

VON TOBIAS WINKLER

LEOPOLDSHALL/STAßFURT. Viele Jahrhunderte waren sie getrennte Nachbarn. Auf der einen Seite Leopoldshall – eine kleine, von 1857 an schnell aufstrebende Siedlung anhaltinischen Gebiets. Auf der anderen Staßfurt. Mehr als 1.000 Jahre älter, 806 erstmals urkundlich in Erscheinung getreten, Hoheitsgebiet der Preußen. Dennoch waren die beiden Orte von Beginn an nicht zuletzt durch den Kalibergbau verbunden. Seit nunmehr 80 Jahren sind sie eins. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946, gemeindete Staßfurt Leopoldshall ein.

„Wie sich innerhalb von wenigen Jahrzehnten das Stadtbild verändert“, blickt Stadtchronist Karl-Michael Beyer bei seinem Vortrag zurück auf bewegte Jahre. Staßfurt und Leopoldshall? „Das war ein anderes Land“, sagt er. Die Mittwochstreff-Runde der Urania fand sich zur Abwechslung in den Räumen des Staßfurter Geschichtsvereins am Stadtsee zusammen. Beyer zeigte historische Fotografien und Dokumente, berichtete von wirtschaftlichen Veränderungen, vom Leben der Menschen wie von den Spuren der gemeinsamen Industriekultur.

Schachtanlagen Leopold

Von Gebäuden, Wohnraum und Geschäft, Plätzen, Wegen und Straßen aus der Kernstadt – die Ursprünge des Stadt- und Bergbaumuseums etwa, oder der alte Holzmarkt – führte Beyer durch die Salzstadt. Leopoldshall, zunächst insbesondere als Standort einer Saline und damit als vielversprechender Ort zur Gewinnung von Salz bekannt, in den 1860er Jahren durch die Schachtanlagen Leopold I und Leopold II deutlich aufgewertet, war schließlich der Landepunkt.

Die Einwohnerzahl, so besagt es der Fundus des Staßfurter Geschichtsvereins, wuchs innerhalb der ersten rund 20 Jahre des Bestehens stetig an. Kurz nachdem man 1873 als selbstständiger Ort galt, lebten demnach bereits 1.800 Menschen in Leopoldshall. Im Jahr 1874 wurde die Sankt-Johannis-Kirche im Viertel gebaut. Zu Beginn der 1890er Jahre zog das Deutsche Kalisyndikat in die Bodestraße.

„Das war ein anderes Land“

Karl-Michael Beyer, Stadtchronist

Einziges Binnensolfreibad

Die nächsten Meilensteine der Entwicklung: der 29. Januar 1919, der Tag, an dem man das Stadtrecht zuerkannt bekam, und der 1. April 1946 – der Tag, seit dem Leopoldshall Staßfurt ist. In den Jahren dazwischen eröffnete der damalige Bürgermeister Max Eggert das Stadtbad Edelborn, das in einem Tagesbruch der 1800er Jahre wurzelt. Seit dem 26. Mai 1929 gilt Leopoldshall damit als Standort des einzigen Binnensolfreibads Mitteleuropas.

Eine historische Aufnahme des Bahnhofs in Staßfurt mit Personen davor. Das Gebäude ist mehrstöckig und hat eine klassische Architektur.